Geschichte des ADM

ADM … AIDS-Dienst Malteser

Persönliche Begegnungen als Auslöser

Im Juli 1992 hatte Wilburg Helbich-Poschacher (die später zur Mitbegründerin des ADM wurde) in Salzburg eine sie tief berührende Begegnung mit einem blutjungen AIDS-Kranken. Zusammengekauert saß er am Mozartsteg – selbst die Bettler machten einen Bogen um ihn. Die Verzweiflung in seinen Augen ließ sie fortan nicht mehr los. Tiefbetroffen hob ihn Burgl, wie sie liebevoll genannt wurde, auf, umarmte ihn und kümmerte sich fortan um ihn.

Zur selben Zeit machte Nikolaus Fischbacher, Mitarbeiter des Malteser Alten- und Krankendienstes, eine ähnlich einschneidende Erfahrung: Er wurde unvermittelt an das Sterbebett eines AIDS-Kranken gerufen.

Beide waren sich einig: Hier muss gehandelt werden!

Gründliche Vorbereitungen

In der festen Absicht dieser Not zu begegnen, holten sie sich Rat. Neben der beherzten Antwort von Daisy Waldstein: „Da müsst ihr eben ein Hilfswerk gründen“, wies ihnen ein Vortrag des damaligen Erzbischofs von New York Kardinal John Joseph O’Connor, den Weg. Der Kardinal hatte diesen Vortrag 1989 bei einer von Papst Johannes Paul II. veranstalteten Konferenz zur Pastoral an AIDS-Kranken in Rom gehalten. Johannes Paul II. hatte die Sorge um die AIDS-Kranken dem Malteserorden ans Herz gelegt. Kardinal O´Connor selbst saß damals, trotz vieler Anfeindungen, nächtelang an den Krankenbetten sterbender AIDS-Patienten.

In Österreich zeigte sich, dass sich das neue Aufgabenfeld nicht in die bestehenden Strukturen der Malteser-Hilfswerke eingliedern ließ, sollte ein eigenes Hilfswerk gegründet werden. So waren die folgenden Monate ausgefüllt mit mehreren Vorsprachen bei Kardinal Groer, Bürgermeister Zilk, Stadtrat Rieder, Prof. Dr. Michael Kunze, intensive Kontaktaufnahmen mit Prim. Dr. Norbert Vetter, dem Pflegepersonal an der Lungen- und AIDS-Station im Otto-Wagner-Spital, Beratungen mit Dr. Hubert Hartl (damals Assistent am Institut für Sozial- und Arbeitsmedizin der Univ. Wien), mit Pater Ulrich Zankanella OFM sowie vielen anderen. Ein befreundeter Rechtsanwalt half bei der Erstellung der Statuten. Ebenso wurde man bei allen bereits auf diesem Feld tätigen Organisationen und Gruppen vorstellig.

Über allem aber stand von Anfang an das Wohlwollen des unvergessenen Fürstgroßpriors Frà Wilhelm von und zu Liechtenstein und des Großmeisters Fra Andrew Bertie und seines Souveränen Rates in Rom.

Erste Anfänge

Die Mitarbeitergruppe bestand damals aus sechs Damen und vier Herren, deren Tätigkeit der ersten Jahre hauptsächlich drei Bereiche umfasste:

  • Aufklärungsvorträge über das HI-Virus, Ansteckungsgefahren und Erkrankung
  • Kontaktaufnahme zu anderen auf diesem Gebiet tätigen Organisationen
  • Suche nach geeigneten Mitarbeitern und Sponsoren
  • Aufbau der Strukturen eines HIV-spezifischen Hilfswerkes im Malteserorden und Bestätigung durch die Ordensautorität

Beginn des regelmäßigen Dienstes

Nach einer gründlichen Vorbereitungszeit absolvierte die erste Gruppe des AIDS-Dienst Malteser (ADM) im Juni 1993 eine theoretische und praktische Ausbildung an der AIDS-Station „Annenheim“ des Otto-Wagner-Spitals auf der Baumgartner Höhe. Ab September 1993 konnte mit einem geregelten Betreuungsdienst im Annenheim begonnen werden.

Bis 1998 stand keinerlei HIV-Therapie zur Verfügung. Daher bestand der Dienst des ADM in der Begleitung der Kranken und Sterbenden und in der Betreuung der Angehörigen. Durch Gespräche, stundenlanges Beisammensein, finanzielle Unterstützung, unterschiedliche konkrete Hilfsdienste (Maniküre, Haare schneiden, Anschaffung eines bequemen Sessels, Rollstuhls oder einer Blindenuhr etc.), bemühte man sich, die Situation der Patienten zu erleichtern und jenen Beitrag zu leisten, den das Gesundheitssystem nicht erbringen konnte. Dem ADM war es auch immer ein dringendes Anliegen, durch geeignete Aufklärungstätigkeit auf die Würde der Patienten hinzuweisen. Zu dieser Zeit war eine positive HIV-Diagnose das absolute Todesurteil mit einer Lebenserwartung von höchstens 2 Jahren.

Die Not und Einsamkeit der meist jungen Patienten, die soziale Ausgrenzung und vermeintliche Gottverlassenheit waren Antrieb für uns zu helfen. Die Panikmache der Medien, verbunden mit der verständlichen Ansteckungsangst der Gesellschaft, sowie das vorschnelle Urteil („der Betroffene sei ja selber Schuld“), machte die Situation der Kranken noch schwerer. Doch sind Vorurteile und Angst die falschen Ratgeber AIDS zu begegnen.

Aufklärung weiter notwendig

Vor allem heute, da AIDS auch in Europa schon lange nicht mehr auf Risikogruppen alleine beschränkt ist, erfahren die betroffenen Frauen und Männer von ihrer positiven Diagnose oft erst bei den ersten Anzeichen einer Infektion. Einer unwissentlichen Weitergabe der Infektion ist damit Tür und Tor geöffnet.

Besonders gefährdet sind in diesem Fall ganz junge Menschen in jenen Momenten, in denen die Leidenschaft über den Verstand siegt. Die Einsamkeit und Orientierungslosigkeit vieler Jugendlicher leistet dieser Situation Vorschub.

Mit den ersten HIV-Therapiemöglichkeiten seit 1998 veränderte sich das Aufgabengebiet des AIDS-Dienst-Malteser grundlegend. Trotz der drastischen Verlängerung der Lebenserwartung begegnen wir in hohem Maße nach wie vor sozialer und finanzieller Unsicherheiten, Einsamkeit und Depression. Heute ist der Anteil der infizierten Frauen im Alter von 18-25 Jahren in erschreckendem Maß gestiegen. Trotz vieler Todesfälle ist die Anzahl der von uns Betreuten mit 50 bis 60 Patienten gleich geblieben. Der ADM beteiligte sich auch am Zustandekommen der HIV-spezifischen Heimbetreuung HIVmobil in Wien.

Wege zum Glauben

Neben der persönlichen Betreuung, der Organisation von Ausflügen und der schon traditionellen Weihnachtsfeier, werden seit einigen Jahren, ohne Sommerpause, ein monatlicher Jour fixe veranstaltet, der sich großer Beliebtheit erfreut.

Für die Betreuer ist es eine große Freude, dass sich durch unsere Romfahrten 2001, 2002 und 2004 manche unserer Patienten offener für religiöse Lebensfragen zeigen.

Durch die große soziale Bandbreite der Gruppe, Betreute wie Betreuer, ist der Lernprozess beider Seiten enorm und fruchtbar, wofür wir sehr dankbar sind.